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Elterngespräche vorbereiten und zielorientiert führen

Von: Carolin Sponheuer
Ein großes Problem bei Elterngesprächen ist der Zeitfaktor. Obwohl die Gespräche häufig unter Zeitdruck geführt werden müssen (z. B. bei Elternsprechtagen), ziehen sie sich in die Länge und führen dennoch oft zu unbefriedigenden Ergebnissen. Wenn Sie das vermeiden möchten, sollten Sie die Gespräche gut vorbereiten und strukturieren.

Elterngespräche vorbereiten

Eine gute Vorbereitung hilft Ihnen auch, Ihre Gefühle besser in den Griff zu bekommen und das Gespräch in sachliche Bahnen zu lenken.

Fragen zur Vorbereitung von Elterngesprächen

Sachebene

  1. Gesprächsanlass: Was ist der Anlass für dieses Gespräch?
  2. Sozialverhalten:
    Welche Verhaltensweisen des Kindes erlebe ich als problematisch?
    In welchen konkreten Situationen (Beispiele) hat das Kind dieses Verhalten gezeigt? Wann? Wo?
    Wer war an der Situation beteiligt?
    Wie wirkt sich das Verhalten des Kindes auf mich, seine Mitschüler, auf die gesamte Klassensituation aus?
    Welche Folgen hat das Verhalten für das Kind selbst?
    Was habe ich bislang unternommen, um den Schüler zu disziplinieren/zu unterstützen? Mit welchem Erfolg?
  3. Leistungsstand
    Bei welchen Anforderungen hat der Schüler Probleme?
    Welche Klassenarbeiten, Tests, Hefte o. Ä. kann ich den Eltern vorlegen, um den Leistungsstand des Kindes zu dokumentieren?
    Welche Fähigkeiten hat der Schüler? Was kann er gut?

Beziehungsebene im Gespräch

Mit welchen Gefühlen werden die Eltern mir möglicherweise gegenübersitzen?
Welche Gefühle spielen bei mir selbst eine Rolle?
Gibt es etwas, was ich an dem Schüler mag?

Problemanalyse

Was könnten (aus jetziger Sicht) die Ursachen für die Probleme des Kindes sein?
Welche Fragen möchte ich den Eltern stellen?

Handlungsempfehlungen

Welche Handlungsempfehlungen möchte ich den Eltern (aus jetziger Sicht) geben?
Falls notwendig: Welche externen Hilfen (Fachleute) kann ich den Eltern vorschlagen?
Was könnte ich selbst noch tun/versuchen?

Gesprächsführung

Worauf möchte ich bei der Gesprächsführung besonders achten?

Aufbau eines Elterngesprächs

Neben einer guten Vorbereitung trägt auch eine sinnvolle Gesprächsstruktur dazu bei, dass Sie sich nicht auf „Nebengleisen“ verirren und das Gesprächsziel aus den Augen verlieren.

Ein zielorientiertes Elterngespräch besteht aus fünf Gesprächsphasen, die unterschiedlich viel Raum einnehmen. Achten Sie darauf, dass Sie nicht in einer Phase „stecken“ bleiben. Es ist Ihre Aufgabe, das Gespräch zu steuern. Am besten lässt sich ein Themenwechsel durch Fragen erreichen. Wer fragt führt!

Fünf Phasen eines Gesprächs

  1. Kontaktaufnahme
    Für ein offenes und freundliches Klima sorgen
     
  2. Zielklärung
    Fahrplan für das Gespräch festlegen
     
  3. Analysephase
    a) Problem verstehen
    b) Ausnahmen vom Problem, mögliche Ressourcen
    c) Lösungsvorschläge entwickeln
     
  4. Beschlussphase
    Entscheidungen treffen
     
  5. Abschlussphase
    „Tür öffnen“ für die weitere Zusammenarbeit

Tipps zu den verschiedenen Gesprächsphasen

Kontaktaufnahme
Die ersten Minuten des Gesprächs sind entscheidend für den weiteren Verlauf. Hier geht es in erster Linie darum, für ein offenes und freundliches Gesprächsklima zu sorgen. Wenn möglich, sollte das Gespräch in einer angenehmen Umgebung stattfinden. Sorgen Sie für erwachsenengerechte Stühle und setzen Sie sich an einen Tisch und nicht hinter das Lehrerpult. Nehmen Sie sich Zeit für eine freundliche Begrüßung („Schön, dass Sie gekommen sind“) und stellen Sie sich ggf. vor. Ein freundliches Lächeln entkrampft ebenfalls die Situation.

Zielklärung
In dieser Phase geht es darum, den „Fahrplan“ für das Gespräch festzulegen. Folgende Punkte sind zu klären:

  • Wie viel Zeit steht uns zur Verfügung?
  • Worüber wollen wir sprechen und mit welchem Ziel?
  • Wie gehen wir vor?

Manche Lehrer scheuen sich, gleich zu Beginn des Gesprächs auf den Zeitrahmen hinzuweisen. Wenn sie dann das Gespräch beenden müssen, fühlen sich die Eltern vor den Kopf gestoßen. Oft haben sie bis zu diesem Zeitpunkt ihr eigentliches Anliegen noch gar nicht vorgetragen. Ist der Zeitplan auch für die Eltern transparent, kommen sie schneller zur Sache.

Bevor Sie inhaltlich in das Gespräch einsteigen, sollten Sie herausfinden, was die Eltern von dem Gespräch erwarten. Geben Sie ihnen ein bisschen Zeit, um ihr Anliegen in Worte zu fassen. Helfen Sie ggf. mit Fragen. Stellt sich heraus, dass das Thema z. B. im Rahmen eines Elternsprechtages (also in 5 bis 10 Minuten) nicht angemessen besprochen werden kann, teilen Sie dies den Eltern freundlich mit („Ich denke, das Thema ist zu wichtig, um es in 5 Minuten abzuhandeln“) und schlagen Sie vor, dass die Eltern in Ihre Sprechstunde kommen oder vereinbaren Sie einen Termin, an dem Sie mehr Zeit haben.

Wenn Sie selbst das Gespräch initiiert haben, sollten Sie zunächst Ihr Anliegen erläutern und dann die Eltern fragen, welche Themen ihnen wichtig sind. Anschließend sollten Sie eine Vorgehensweise vorschlagen (z. B. 1. Ist-Zustand beschreiben; 2. Ursachenanalyse; 3. Lösungswege entwickeln).

Analysephase
Wie bereits erwähnt „kranken“ viele Elterngespräche daran, dass sich die Gesprächspartner zu wenig mit den Ursachen von Schulschwierigkeiten auseinandersetzen und vorschnell nach Lösungsstrategien suchen, die dann oft nicht greifen. Nehmen Sie sich Zeit, um das Problem wirklich zu verstehen. Orientieren Sie sich dabei an folgenden Fragen:

  • Was sehen die Eltern als Problem?
  • Was sehe ich als Problem?
  • Was sind mögliche Ursachen?
  • Welche Lösungsversuche gab es? Was haben die Eltern, der Schüler und ich selbst schon probiert? Mit welcher Wirkung?
  • In welchen Situationen tritt das Problem nicht auf?
  • Wo liegen die Stärken des Schülers? Was klappt gut?

Eltern und Lehrer versuchen Schulprobleme häufig mit Eigenschaften bzw. Persönlichkeitsmerkmalen des Kindes zu erklären, z. B. der Schüler ist stinkfaul, unreif, aggressiv, unselbstständig, nicht in der Lage sich zu konzentrieren etc. Die Folge solcher Zuschreibungen ist, dass Eltern und Lehrer das Kind mit ständigen Ermahnungen oder Strafandrohungen unter Druck setzen und glauben, ihm damit zu helfen. Das Gegenteil ist der Fall. Das Selbstvertrauen des ohnehin verunsicherten Kindes wird untergraben; es hat das Gefühl den Erwartungen nicht entsprechen zu können und wehrt sich, indem es genau das Gegenteil von dem tut, was Eltern und Lehrer von ihm verlangen, z. B, indem es den Klassenkasper spielt. Eltern und Lehrer reagieren mit erhöhtem Druck, es beginnt ein Teufelskreis (vgl. Betz/Breuninger 1998).

Damit dies nicht geschieht, sollten problematische Verhaltensweisen des Kindes nicht als Eigenschaften gesehen werden, sondern als Reaktion auf Lernbedingungen, die zumindest teilweise veränderbar sind. Kein Kind ist immer und überall faul, aggressiv oder unkonzentriert. Eltern und Lehrer sollten sich fragen:

  • In welchen Situationen taucht das Problem nicht auf?
  • Welche Stärken und Fähigkeiten hat der Schüler und in welchen Situationen werden diese sichtbar?

„Sie sagen, dass Lea nur Hausaufgaben macht, wenn Sie daneben sitzen. In welchen Situationen kommt sie denn ohne Ihre Hilfe aus? Wann verhält sie sich selbstständig?“ Dieser eher ressourcenorientierte Blick auf die Probleme kann helfen, neue Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Am Ende der Analysephase geht es darum, gemeinsam mit den Eltern Lösungsvorschläge zu entwickeln. Folgende Fragen können dabei helfen:

  • Was braucht das Kind, um besser lernen zu können?
  • Wie kann ich ihm dabei helfen?
  • Was können die Eltern tun?
  • Gibt es andere (Mitschüler, Kollegen, Schulleitung, Elternpflegschaftsvorsitzende), die mit einbezogen werden sollten?
  • Brauchen der Schüler bzw. die Eltern Hilfe von Fachleuten (Jugendamt, Psychologen, Erziehungsberatungsstelle; Legasthenie-Institute, Lerntherapeuten, ...)?

Achten Sie darauf, die Eltern aktiv in die Lösungssuche mit einzubeziehen! Fragen Sie sie nach Vorschlägen. Bitten Sie sie um ihre Meinung zu Ihren Ideen.

Beschlussphase
In der Beschlussphase geht es darum, mit den Eltern zu konkreten Vereinbarungen zu kommen:

  • Wer macht was? Bis wann?
  • Ist ein weiterer Gesprächstermin erforderlich? In welchem Zeitraum?

Manche Eltern brauchen eine klare Ansprache. Sagen Sie ganz konkret, was Sie von ihnen erwarten und welche Folgen es für das Kind hat, wenn die Eltern die Vereinbarungen nicht einhalten. Seien Sie freundlich, aber auch energisch! Achten Sie darauf, dass die beschlossenen Maßnahmen realistisch sind und den Möglichkeiten der Eltern und des Kindes entsprechen. Wie bereits erwähnt, sind Veränderungen häufig nur in kleinen Schritten möglich.
Halten Sie die getroffenen Vereinbarungen schriftlich in einem Ergebnisprotokoll fest, das Sie den Eltern mit nach Hause geben können. Wenn Sie sofort eine Kopie anfertigen, haben Sie auch ein Exemplar für Ihre Unterlagen. Das Ergebnisprotokoll (siehe unten) ist relativ ausführlich. Der Vorteil ist, dass es auch noch ein paar Wochen nach dem Gespräch verständlich ist. Wenn Sie nur wenig Zeit haben, können Sie die Kategorien „Anlass/Problem“ und „Ursachen“ weglassen und nur die getroffenen Vereinbarungen stichwortartig festhalten.

Abschlussphase
Gerade in Gesprächen, die sehr konfliktreich verlaufen sind, kommt der Abschlussphase eine besondere Bedeutung zu. Versuchen Sie im Sinne des Kindes, trotz allem Ärger, den Sie vielleicht empfinden, die Tür für eine weitere Zusammenarbeit mit den Eltern offenzuhalten. Kehren Sie Meinungsverschiedenheiten nicht unter den Tisch, aber heben Sie positive Ergebnisse unbedingt hervor („Auch, wenn wir nicht in allen Punkten übereinstimmen, haben wir doch etwas erreicht“). Danken Sie Ihrem Gesprächspartner dafür, dass er sich die Zeit genommen hat und auch für seine Beiträge („Ich bin froh, dass wir miteinander gesprochen haben, denn jetzt kann ich besser verstehen, warum ...). Beenden Sie das Gespräch mit einer freundlichen Verabschiedung.

Ergebnisprotokoll Elterngespräch

Schüler(in): Jan Lauterbach
Klasse: 6 b 
Datum: 23.4.2012

Gesprächspartner(innen): Frau Lauterbach, Frau Winter

Anlass/Problem:
Jan macht zwar Hausaufgaben, sie sind aber meist unvollständig; er hat häufig keine Arbeitsmaterialien dabei; er beteiligt sich nicht oft am Unterricht, spielt aber gern den Klassenkasper.

Ursachen:
Jan ist in der Schule oft abgelenkt und vergisst, die Hausaufgaben zu notieren; er ist damit überfordert, allein seine Schulmappe zu packen; zu Hause sitzt er zu häufig vor dem Computer; er braucht mehr Anerkennung in der Klasse.

Frau Lauterbach ist verantwortlich für:
(„Bis wann?“ nicht vergessen!)

  • Frau Lauterbach packt gemeinsam mit Jan vor dem Abendessen die Schultasche für den nächs¬ten Tag (ab heute). In spätestens 14 Tagen (ab 7.5.) versucht Jan das allein.
  • Frau Lauterbach erkundigt sich bei der Mutter von Max, in welchen Fußballverein Max und noch ein paar andere Mitschüler gehen (bis 27.4.).
  • Wenn Jan will, meldet sie ihn dort an (bis 4.5.).

Frau Winter ist verantwortlich für:
(„Bis wann?“ nicht vergessen!)

  • Frau Winter achtet in ihrem Unterricht darauf, ob Jan sich die Hausaufgaben notiert (ab 25.4.).
  • Sie spricht mit den Kollegen und bittet diese, auch mehr darauf aufzupassen, zumal Jan nicht der Einzige ist, der damit Probleme hat (bis 26.4.).
  • Sie fragt Jans Mitschüler Max, ob Jan ihn bei Hausaufgabenproblemen anrufen darf (25.4.).
  • Sie nimmt Jan im Unterricht auch dran, wenn er sich nicht meldet, stellt dann aber nur Fragen, die er mit hoher Wahrscheinlichkeit auch beantworten kann (ab 25.4.).

Nächster Gesprächstermin: 7.5.2012, 10.30 Uhr
Themen:

  • Welche Maßnahmen haben sich bewährt? Welche nicht? Warum nicht?
  • Was können wir sonst noch tun?