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Ihr Beitrag zur Integration

Neu an der Schule: Tipps für den Start
Von: Frauke-Jantje Bos, Günter Grossmann
Bevor Sie sich überlegen, was Ihr Beitrag zu einer gelingenden Einarbeitung sein könnte, sollten Sie sich vergegenwärtigen, was von Ihnen aus Sicht der Schulleitung und des Kollegiums häufig erwartet wird. Nur wenn Sie sich die häufig impliziten Erwartungen vor Augen führen, können Sie sie in Ihre Überlegungen und Handlungsweisen einbeziehen.

Erwartungen und Befürchtungen

Was sich die Schulleitung wünscht …
Schulleitungen erhoffen sich von Ihnen als die Neuen die Mitarbeit in schulsystemisch arbeitenden Gremien wie Steuer- oder Schulentwicklungsgruppen. Sie gehen davon aus, dass Sie die wesentlichen Impulse zur Innovation geben und diese auch umsetzen.

Zudem wünschen sich die Schulleitungen die Übernahme von Fachleitungen, denn sie glauben, dass Sie im Vergleich zu langjährigen Kollegen über die aktuellste inhaltliche und/oder methodische Fachkompetenz verfügen.

Schulleitungen erwarten die Übernahme von Unterrichtsfächern, die sich auf die neuen Medien stützen, denn sie gehen selbstverständlich davon aus, dass Sie „automatisch“ mit neuen Medien sicher umgehen können.

Schulleitungen erwarten häufig die sofortige Übernahme von Prüfungsklassen, den fachfremden Unterricht und den Einsatz in sehr unterschiedlichen Fächern und schwierigen Klassen. Die implizite Erwartung dabei ist, dass Sie als die „Unverbrauchten“ belastbar sind.

… und was Kollegen hoffen …
Weniger einheitlich ist die Sicht der Kollegen.

Kollegen sind erleichtert, wenn Sie als Neue kommen. Sie übernehmen häufig Funktionen und Aufgaben, die neu entstanden sind und bei denen sich ältere Kollegen schnell unsicher fühlen, z. B. Medienbeauftragte, PC oder Whiteboard-Betreuung, Betreuung der Homepage. Außerdem wird vermutet, dass Sie neue Methoden, aktuelle pädagogische Ansätze mitbringen und dadurch Anregung geben.

… und befürchten
Kollegen sind skeptisch, ob die Neuen eine Konkurrenz darstellen. Dies könnte z. B. in folgenden Gebieten vermutet werden:

  • größere Beliebtheit bei Schülern,
  • geschätzt werden und Förderung durch die Schulleitung,
  • Übernahme von Aufgaben, die als „Erbhöfe“ angesehen werden.

Bei den Kollegen entstehen ambivalente Gefühle von Hoffnung und Furcht. Durch Ihre anscheinend höhere Belastbarkeit entsteht sowohl Entlastung dadurch, dass Sie zum Beispiel in schwierigen Klassen eingesetzt werden, dass Sie mit Engagement Klassenreisen oder neue Projekte übernehmen, als auch Furcht davor, selbst als nicht mehr so umfangreich einsetzbar zu gelten.

Handlungsmöglichkeiten

Wie können Sie sich angesichts dieser unterschiedlichen Erwartungen und Befürchtungen verhalten?

Ein wesentlicher Faktor, um Irritationen zu vermeiden, ist die Schaffung von Transparenz. Dadurch schaffen Sie Sicherheit, verringern Phantasien über Ihre Motive und Ziele und bieten sich als Gesprächspartner an.
Transparenz können Sie erreichen, indem Sie klar und eindeutig allen Beteiligten der Schule gegenüber kommunizieren. Sprechen Sie mögliche Irritationen rechtzeitig an und zeigen Sie auf, was Sie sich wünschen bzw. wo Ihre Grenzen liegen.

Sie können davon ausgehen, dass alle Ihre Partner in der Schule grundsätzlich dasselbe wollen wie Sie, nämlich Förderung des einzelnen Schülers, guten Unterricht, angemessenes soziales Verhalten, konstruktiver Umgang mit Konflikten, eine angenehme Arbeitsatmosphäre in der Schule.

Diese gemeinsamen Ziele sind die Grundlage, auf die Sie auch bei einer Auseinandersetzung bauen können. Das heißt:

  • nehmen Sie auch im Konfliktfall Ihre Gesprächspartner „mit ins Boot“,
  • weisen Sie auf Gemeinsamkeiten hin, die Sie trotz aller Differenzen haben, so dass Sie zu einer einvernehmlichen Lösung, im besten Fall einer Win-win-Lösung kommen können.

Wie Sie bei solchen Gesprächen vorgehen können, möchten wir Ihnen an zwei Beispielen verdeutlichen, die natürlich auf andere Gesprächssituationen übertragbar sind:

Tipps für die Gespräche
mit der Schulleitung
Tipps für die Gespräche
mit Eltern

Beachtenswertes
im Vorfeld

keine Tür- und Angelgespräche führen, immer einen Termin vereinbaren; auch bei Ansprache durch die Schulleitung

bei der Terminvereinbarung einen ungefähren Zeitrahmen benennen und den Themenbereich angeben bzw. erfragen

 

Vorbereitung

Anliegen/Thema/Ziel klar formulieren

Gesprächsnotizen verfassen:

Argumente für die eigene Position überlegen;

Argumente für die Gegenposition und mögliche Entgegnungen überlegen

Kompromisse/Verhandlungsangebote vorüberlegen

ggf. Belege, Argumente etc. schriftlich als Gesprächsvorlage formulieren

Vorbereitung

Ziel für das Gespräch formulieren

klären, ob Sie das Gespräch allein führen oder andere hinzuziehen wollen

vorbereiten, was Sie über den Schüler berichten wollen, möglichst konkret, beschreibend; evtl. Beispiele mitbringen (Klassenarbeit, Hausaufgabe); bei problematischem Vorfall komprimiertes Protokoll über Ablauf erstellen

Lösungsvorschläge vorbereiten

bewusst Perspektivenwechsel in Elternposition vornehmen: Mit welchen Gefühlen, Wünschen, Erwartungen, Ängsten werden die Eltern ankommen – was bedeutet das für den möglichen Verlauf des Gespräches?

Durchführung

einen positiven Einstieg wählen, z. B. danken für die bisherige Unterstützung

das Anliegen mit den Argumenten klar benennen, ggf. mit einer GesprächsvorlageVerantwortung für den Gesprächsverlauf übernehmen

in freundlicher, verbindlicher Form beim Thema bleiben bzw. darauf zurückkommen

eigene Grenzen aufzeigen

eigene Leistungsbereitschaft klar benennen

Angaben bzw. Aussagen zur eigenen Privatsphäre auswählen

keine negativen Aussagen über Kollegen machen

bei Anfragen der Schulleitung nicht sofort entscheiden, sondern Bedenkzeit erbitten

bei Verhärtung des Gespräches um eine Verschiebung und Fortsetzung zu einem späteren Zeitpunkt bitten, der sofort festgelegt werden sollte

Durchführung

freundliche Begrüßung, willkommen heißen

Gespräch in gleicher Augenhöhe führen, keine frontale Sitzposition einnehmen

interkulturelle Besonderheiten berücksichtigen

gut zuhören, damit Eltern sich wahr- und ernst genommen fühlen

Erfahrungen der Eltern abfragen

Wunsch und Notwendigkeit zur Kooperation benennen

gemeinsame Verantwortung betonen

Gemeinsamkeiten – insbesondere positive – in der Sichtweise herausstellen

vorurteils- und wertungsfrei nach häuslicher Situation fragen

schulische Maßnahmen darstellen und begründen, Grenzen benennen

eigenes Handeln transparent machen

Gespräch beenden, wenn es sich im Kreis dreht

Bilanz am Ende des Gesprächs ziehen

ggf. schriftliche Zusammenfassung der Ergebnisse anbieten

Nach Beendigung

Ergebnisse schriftlich zusammenfassen, evtl. auch als Brief oder Erinnerungsnotiz an die Schulleitung geben

 

Umgang mit Belastungen

Klassische Fallen für Einsteiger sind der Wunsch nach Perfektion, der Wunsch es allen recht zu machen. Auch wenn Sie das Gefühl haben, dies trifft für Sie nicht zu, allen Neuen ist das Problem mit der fehlenden Zeit gemeinsam.

Dieses Problem können sie minimieren, indem Sie einige der folgenden Anregungen aufgreifen.

  • Verschaffen Sie sich durch eine Halb- oder Schuljahresplanung einen Überblick über die Arbeitsvorhaben. Dafür könnten Sie schulische (z. B. Klassenreisen) und schulorganisatorische Termine (z. B. Konferenzen) zu Beginn des Schuljahres in einer Übersicht festhalten und auf dieser Grundlage Unterricht planen. Das spart Zeit.
  • Zudem können Sie konsequent vorhandene Ressourcen wie Handreichungen, bereits vorbereitete Einheiten oder auch Lehrgänge nutzen, d. h. erfinden Sie das Rad nicht immer neu.
  • Eine gute Möglichkeit ist es auch, nur eine Unterrichtseinheit zurzeit intensiv vorzubereiten, dabei aber darauf zu achten, dass alle Lerngruppen über das Schuljahr gesehen gleichermaßen davon profitieren.
  • Verlassen Sie sich auf Ihre erste Idee. Auf sie wird auch nach langem Prozess des Nachdenkens häufig zurückgegriffen. Außerdem ist die anschließende Reflexion oft weiterführender als die zermürbende Grübelei vorweg.
  • Führen Sie pro Woche eine „Türschwellenstunde“ durch. Damit ist gemeint, dass sie bewusst eine Stunde unvorbereitet unterrichten und sich damit darauf einlassen, dass Sie spontan Lernprozesse initiieren und steuern können. Dies ist eine Unterrichtsform, die es zu beherrschen gilt, keine Notlösung. Auch in diesen Stunden gibt es wertvolle Impulse und Entwicklungen, die häufig durch die anschließende Reflexion Bedeutung bekommt.
  • Finden Sie eine Form, um die eigenen Zeitreserven nicht zu überschreiten. Beachten Sie die 80-20-Regel; d. h. in 20 % der Zeit wird in der Regel 80 % der Arbeit erledigt, für die restlichen 20 % der Arbeit wird 80 % der Zeit benötigt.

Manchmal ist das „Zeitproblem“ jedoch eher eine Frage der Gewichtung, d. h. welche Bedeutung Sie den einzelnen Aufgaben zumessen.

Prioritäten setzen!

Prüfen Sie immer wieder die Wichtigkeit von Aufgaben, besonders zu Beginn neigen Berufseinsteiger dazu alle an sie herangetragenen Aufgaben erfüllen zu wollen. So gibt es Themen, die Sie zwar vielleicht mit viel Lust erledigen, die aber vielleicht erst in einem halben Jahr von Bedeutung sind.

Hilfreich kann hier z. B. das Quadrat von Covey sein, das Sie Ihren Arbeitsanforderungen anpassen müssten.

  Dringend Nicht dringend
Wichtig

Notwendigkeit
(Etwas muss sofort erledigt werden.

Elternanruf nach aktuellem Vorfall

Unterrichtsvorbereitung für morgen bei Stunden, die nicht aus der Hand zu geben sind

Weiterarbeit Projektskizze, Abgabefrist in drei Tagen

Qualität
(Diese Vorhaben sind sinnvoll, stehen aber bei der Arbeitseinteilung an zweiter Stelle.)

Schuljahresplanung

Planung der nächsten Unterrichtseinheit

Ablage

Nicht wichtig

Irrtum
(Häufig wird die Bedeutung dieser Arbeitsvorhaben überschätzt. Sie müssen diese zwar erledigen, sollten dieses aber mit dem geringsten Aufwand tun.)

einige bürokratische Tätigkeiten

einige Lehrerkonferenzen

einige Elternanrufe

Verschwendung
(Versuchen Sie, diese Dinge zu unterlassen.)

teilweise Perfektionismus in Gestaltungsdingen

sehr lange Recherchen im Internet

sehr lange Grübeleien bei Planungen/Vorbereitungen

Unabhängig von diesen Hinweisen gilt: Professionalisierung braucht Zeit. Berufseinsteiger müssen nicht alles perfekt machen. Seien und bleiben Sie mit sich genauso geduldig wie mit Ihren Schülern. Sie befinden sich in einer Lernsituation, die sich über Ihre gesamte Berufstätigkeit erstrecken wird.