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Ausgebremste Mobilität: Das Bundesland wechseln?

Von: Ina Hönicke
Wenn Lehrer beruflich in ein anderes Bundesland wechseln wollen, werden kommen sie schnell an ihre Grenzen.

Immer wieder wollen oder müssen sich Lehrer in anderen Bundesländern für den Schuldienst bewerben.  Leicht ist das nicht, wechselwillige Junglehrer stoßen immer noch auf gravierende Hürden. Schließlich gibt es 16 verschiedene Bundesländer, 16 verschiedene Lehrer-Ausbildungsgesetze, in Nordrhein-Westfalen kommen Bachelor und Master dazu, in anderen Bundesländern gibt es noch das Staatsexamen - die Länge oder die Stufenzuordnung  ist teilweise ebenfalls unterschiedlich. Die Junglehrer sollten also im Vorfeld prüfen, ob das, was sie studiert haben, für das potentielle Bundesland ausreicht. Hilfestellung geben hier die aktuellen Internet-Seiten des jeweiligen Landes - notfalls über das Eingangsportal des Ministeriums.

Am Verfahren selbst können grundsätzlich nur Bewerber teilnehmen, die im staatlichen Schuldienst eines Landes in einem Beamtenverhältnis oder in einem unbefristeten Beschäftigungsverhältnis tätig sind. Beurlaubte Lehrkräfte können nur einbezogen werden, wenn sie sofort nach ihrer Versetzung beim aufnehmenden Dienstherrn den Dienst antreten. Die Anerkennung der Lehrbefähigung wird im Lehreraustauschverfahren von Amts wegen während des Verfahrens geprüft. Pauschale Aussagen zu machen, in welchem Bundesland die Freigabe leichter als in anderen ist, dazu waren befragte Dezernenten nicht bereit.  Fest steht, dass beispielsweise Berlin seine Lehrer nicht gerne weglässt. Da junge Berliner Lehrer nicht mehr verbeamtet werden, wollen viele von ihnen in andere Bundesländer wechseln. Ihre Anträge lehnt die Bildungsverwaltung neuerdings zumeist ab. Sonst lautet der allgemeine Tenor: Je mehr es in den Süden geht, desto schwieriger wird es. 

Das planstellenneutrale Lehreraustauschverfahren zwischen den Ländern, das nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10. Mai 2001 Lehrkräften ermöglicht, über das Lehreraustauschverfahren zwischen den Ländern zu wechseln, gilt  vor allem der Familienzusammenführung. Können nicht alle Bewerber berücksichtigt werden, erfolgt die Auswahl der Bewerber nach folgenden Gesichtspunkten:

  • Eignung
  • Soziale Situation (Vorrangiger Tausch, wenn minderjährige Kinder vorhanden sind)
  • Bedarf (fächerspezifisch, regional)
  • Wartezeit.

In puncto Freigabe gibt es bei den Behörden offenbar eine interne Hierarchie der Versetzungsgründe:  Ganz oben stehen die Angehörigen der Bundeswehr-Mitarbeiter, die alle acht Jahre versetzt werden. Hier könne den Partnern eine derart lange Trennung nicht zugemutet werden. Ebenfalls weit oben in der Prioritätenliste stehen Elternpaare  – verheiratet oder nicht verheiratet – mit kleinen Kindern, bei denen einer der Partner beruflich versetzt wird. Ein weiterer wichtiger Grund sind pflegebedürftige Eltern oder schwerkranke Angehörige, die an einem anderen Ort betreut werden müssen.

Die Beurteilung hängt aber nicht nur von den Vorschriften des Bundeslandes sondern auch vom jeweiligen Sachbearbeiter ab. Hans-Gerd Scheidle, stellvertretender Vorsitzender des VBE Nordrhein-Westfalen, rät Wechselwilligen die zuständigen Personalräte einzuschalten: „Im Falle eines Antrags  können sie auf jeden Fall weiterhelfen.“    

Betroffene, die das Procedere bereits hinter sich haben, haben für die wechselwilligen Kollegen noch einen besonderen Tipp parat: Bei einer Online-Bewerbung verweisen sie auf ein Computerfeld, in das Bewerbergründe eingetragen werden können.  Hier sollte auf keinen Fall nur „siehe Anlage“ hingeschrieben werden. Nach ihrer Erfahrung sei nur der Computerauszug bei den Sachbearbeitern ständig präsent.  

Für alle Lehrer hat das Warten allerdings nach fünf Jahren ein Ende. Spätestens dann werden sie aufgrund der KMK-Vereinbarung freigegeben. Doch die Freigabe allein reicht natürlich nicht – das neue Bundesland muss den Lehrer ja aufnehmen. Laut Scheidle komme es unter anderem auf das Fach an. „Lateinlehrer beispielsweise werden in allen Bundesländern mit Kusshand genommen“, erklärt er.

Um die entsprechende Anerkennung zu erhalten, wird von der Behörde geprüft, wie viele Semester-Wochenstunden sowie welche Fächer der Antragsteller bislang vorzuweisen hat. Dazu kommt, inwieweit seine Ausbildung und letzte Tätigkeit mit dem Abschluss im gewünschten Bundesland übereinstimmen. Der Lehrer sollte sich im Vorfeld auf jeden Fall erkundigen, ob er für sein Lehramt eine Anerkennung benötigt. Schließlich haben eine Reihe von Bundesländern das Lehramt Grund-, Haupt-, Realschule, Gesamtschule. Wenn der Lehrer dann beispielsweise nur über ein Grundschul-Lehramt verfügt,  muss das geklärt werden. Scheidle ist stolz darauf, dass wenigstens in NRW der Bachelor/Master-Studiengang für alle Schulformen gleich lang ist – damit sei eine langjährige Forderung des VBE und der GEW erfüllt worden.

Das Referendariat eines Bundeslandes wird normalerweise anerkannt. Es sei denn, der Antragsteller hat nicht ausreichend lang studiert oder das andere Bundesland verfügt über eine völlig andere Struktur. Laut VBE muss der Wechsel frühzeitig beantragt werden. So würde er  in einigen Bundesländern nur zum 1. August über die Bühne gehen, bei anderen auch zum 1. Februar.

Noch einen Tipp hat der Verband parat: In den meisten Bundesländern gibt es so genannte Ausschreibungsverfahren, bei denen einzelne Schulen Lehrer einstellen. In der Regel darf man sich als Versetzungsbewerber auf diese Stellen bewerben. Man braucht dafür natürlich die Freigabe seines Bundeslandes. Auch diese Informationen sind im Internet abrufbar.  In letzter Zeit erhöht der Bund den Druck auf die Länder, sich rasch auf verbindliche Lösungen zu einigen. Er will erst dann die Mittel der Qualitätsoffensive für die Lehrerbildung freigeben, wenn durch die Länder bundesweite Mobilität im Beruf sichergestellt ist. Die Kultusministerkonferenz plant, noch im Frühjahr 2013 entsprechende Richtlinien zur Verbesserung der nationalen Mobilität in der Lehrerbildung zu beschließen und in entsprechenden Ländergesetzen umzusetzen.

Einen Punkt indes gibt Scheidle den Wechselwilligen besonders zu bedenken: „Wenn ein Bewerber in ein Bundesland wechselt, das Lehrer nicht verbeamtet, verliert er diesen Status und kann  nicht mehr automatisch Beamter werden, wenn er in das alte Bundesland zurückkehrt.“  Eine solche Entscheidung sollte jeder Lehrer genau abwägen.

Mobilität

Eine der vorrangigen Aufgaben der Kultusministerkonferenz  ist die Sicherung der gegenseitigen Anerkennung von Lehramtsabschlüssen und der Mobilität der Lehramtsanwärterinnen und -anwärter. Hierzu hat die Kultusministerkonferenz 1999 die maßgebliche Grundlage im Beschluss „Gegenseitige Anerkennung von Lehramtsprüfungen und Lehramtsbefähigungen“ (Beschluss der KMK vom 22. 10. 1999) geschaffen.
Die Rahmenvereinbarungen geben einen Überblick über die Ausbildungen und Prüfungen für die Lehrämter, die gegenseitig zwischen den Ländern anerkannt werden.

Die Kultusministerkonferenz hat sich auf die Festlegung der folgenden Lehrämter verständigt:

Lehramtstyp 1:
Lehrämter der Grundschule bzw. Primarstufe

Lehramtstyp 2:
Übergreifende Lehrämter der Primarstufe und aller oder einzelner Schularten der Sekundarstufe I

Lehramtstyp 3:
Lehrämter für alle oder einzelne Schularten der Sekundarstufe I

Lehramtstyp 4:
Lehrämter der Sekundarstufe II (allgemeinbildende Fächer) oder Gymnasium

Lehramtstyp 5:
Lehrämter der Sekundarstufe II (berufliche Fächer) oder für berufliche Schulen

Lehramtstyp 6:
Sonderpädagogische Lehrämter

Weitere Infos bieten folgende Websites:
www.gew.de
www.bildungsserver.de
www.oliver.nrw.de
www.vbe.de